123 neuRechenschwäche, Rechenstörung oder Dyskalkulie? In Bezug auf den Schwergrad existieren verschiedene Begrifflichkeiten. Betroffene haben erhebliche Schwierigkeiten beim Erlernen und Anwenden von Rechenfertigkeiten, die nicht allein durch eine allgemeine Intelligenzminderung oder eine unangemessene Beschulung erklärbar ist. Das Defizit betrifft vor allem die Beherrschung grundlegender Rechenfertigkeiten, wie Addition, Subtraktion, Multiplikation und Division, weniger die höheren mathematischen Fertigkeiten, die für Algebra, Trigonometrie, Geometrie oder Differential- und Integralrechnung benötigt werden (ICD-10, Kapitel V, F81.2). Häufige Begleitsymptome sind starke Unruhe und Unaufmerksamkeit, die nicht mit Hyperaktivität, einer Aufmerksamkeits- oder Konzentrationsstörung verwechselt werden dürfen.JS10042015 0594

Die Rechenschwäche beschreibt im Gegensatz zu einer Störung sehr schwache mathematische Leistungen über einen bestimmten Zeitraum, die aufgrund psychischer und physischer Ursachen entstehen können. Die Rechenstörung kann mit dem Fachterminus Dyskalkulie gleichgesetzt werden und ist meist dauerhaft vorhanden.


Symptome?

  • es wird ungewöhnlich viel Zeit für Rechenoperationen benötigt
  • Zahlenräume, Mengen, Größen, Formen, Distanzen werden kaum erfasst
  • Ziffern werden ausgelassen und/ oder vertauscht
  • Rechensymbole (+ / - ) werden oft verwechselt
  • das Speichern von Zwischenergebnissen fällt sehr schwer
  • widersprüchliche Ergebnisse werden nicht bemerkt
  • Zählen gelingt oftmals nur mit den Fingern

Für erste Anzeichen, ob es sich bei den genannten Schwierigkeiten möglicherweise um eine Rechenschwäche bzw. Dyskalkulie handelt, finden sie hier einen Fragebogen zu weiteren Symptomen.JS10042015 0575

Hilfe?

Keine Rechenschwäche oder Dyskalkulie gleicht der anderen. Unabdingbar ist demzufolge eine qualitative Förderdiagnostik, um die individuellen „Bruchstellen“ des Betroffenen festzustellen. Innerhalb der Lerntherapie werden die entsprechenden Förderziele stetig angepasst (Fehleranalyse).

Die Förderung besteht zum einen aus der Verbesserung der Sinneswahrnehmungen, die für die Erarbeitung mathematischer Inhalte unabdingbar sind. Zum anderen findet die Arbeit am Symptom, also am konkreten Fehlerbereich statt. Dabei werden die pränumerischen Fertigkeiten (Zahlbegriff, Mengenverständnis, Zahlzerlegung, räumliche und zeitliche Orientierung, Zählfertigkeiten) sowie die Grundrechenarten und die Basis von mathematischen Operationen (Zähl- und Rechenstrategien) anschaulich erarbeitet. Ziel ist es, die Aufmerksamkeit beim Rechnen zu steigern.